Der Beckenboden unserer Mutter hat uns gehalten, und unser eigener hält und hielt unsere Kinder in uns, bevor wir sie gebären. Er spielt eine tragende Rolle und unterstützt uns, doch er kann uns auch einschränken, wenn er aus dem Gleichgewicht gerät. Viele Menschen denken erst an den Beckenboden, wenn gesundheitliche Probleme auftreten.
Er besteht aus drei Muskelschichten und Bindegewebe, die unser Becken nach unten abschließen und bei Frauen drei Öffnungen umschließen: für den Darm, die Vagina und die Harnröhre. Die Wirkung dieses Bereichs ist enorm!
Das Fundament des Rumpfes
Der Beckenboden ist ein wesentlicher Teil unseres Körpers und trägt maßgeblich zu unserem Wohlbefinden bei. Er ist wie eine Hängematte gespannt, die vom Charmbein vorne über das Steißbein bis zu den Sitzbeinhöckern seitlich reicht und so das Fundament unseres Rumpfes bildet.
Der Beckenboden besteht aus drei Schichten: die innere Schicht, die für die Kontinenz Sicherung und die Lagerung der Organe verantwortlich ist; die mittlere Schicht, die Stabilität bei Belastungen gewährleistet und reflexartig gegenhalten kann; und die äußere Schicht, die für das Öffnen und Schließen der Körperöffnungen zuständig ist und bei sexueller Erregung anschwillt.
Diese drei Muskelschichten unterstützen neben dem Öffnen und Schließen der Körperöffnungen die sichere Lage von Blase und Darm – besonders bei Druckveränderungen im Bauchraum, wie beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben schwerer Lasten. Sie halten die inneren Organe des Beckens an ihrem Platz, darunter Blase, Gebärmutter und Darm, und schützen so vor Problemen wie Harninkontinenz und Gebärmuttersenkung.
Beckenboden und die Kontrolle von Blase und Darm
Eine wesentliche Funktion des Beckenbodens ist die Kontrolle der Blase und des Darms. Der Beckenboden ermöglicht es, den Urinfluss zu steuern und die Blase bei Bedarf zu entleeren. Ebenso hilft er bei der Regulation des Stuhlgangs und unterstützt den Schließmuskel des Anus. Eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur kann zu Problemen wie Harn- oder Stuhlinkontinenz führen, begünstigt Organ Senkungen, was die Lebensqualität erheblich einschränken kann.
Der Beckenboden unser „Liebesmuskel“ und seine Rolle in der Sexualität
Der Beckenboden spielt eine entscheidende Rolle für die Sexualität der Frau. Eine gut trainierte und ausgeglichene Beckenbodenmuskulatur, die sowohl anspannen als auch entspannen kann, verstärkt die sexuelle Stimulation. Sie schwillt bei Erregung an, wodurch die Durchblutung verbessert wird, und kann zu intensiveren, überhaut, zu Orgasmen führen. Zudem unterstützt eine rhythmische Beckenbewegung, die sogenannte Beckenschaukel, dabei, einen Orgasmus zu erreichen.
Ein gesunder Beckenboden befindet sich in Balance, kann aber auch hyperton (übermäßig angespannt) oder hypoton (zu wenig Spannung) sein. Beide Zustände können die sexuelle Lust und das Empfinden beeinträchtigen. Frauen, die unter Vaginismus leiden – einer Störung, bei der die Vagina unwillkürlich verkrampft und das Eindringen eines Penis unmöglich macht – haben häufig eine hypertonen Beckenbodenmuskulatur mit sehr hoher Anspannung.
Einfluss des Beckenbodens auf die sexuelle Lust und Gesundheit
Ein kräftiger Beckenboden fördert nicht nur die Vaginalgesundheit, sondern kann auch Beschwerden wie vaginale Trockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindern. Die verbesserte Durchblutung und die Fähigkeit, die Muskulatur gezielt zu steuern, intensivieren die Empfindungen während des Geschlechtsverkehrs und steigern so die sexuelle Lust.
Darüber hinaus kann eine schwache oder verspannte Beckenbodenmuskulatur zu einer verminderten Libido beitragen. Regelmäßiges Training kann hier Abhilfe schaffen, indem es die Durchblutung im Beckenbereich fördert und den Hormonhaushalt positiv beeinflusst.
Beckenboden in verschiedenen Lebensphasen
Während der Schwangerschaft und nach der Geburt ist der Beckenboden besonderen Belastungen ausgesetzt. Eine starke Muskulatur kann die Geburt erleichtern und die Regeneration im Wochenbett beschleunigen. Umgekehrt kann eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur nach der Geburt zu Inkontinenz oder vermindertem sexuellen Empfinden führen.
Auch in den Wechseljahren spielt der Beckenboden eine wichtige Rolle. Durch den sinkenden Östrogenspiegel verliert das Gewebe an Elastizität, was zu einer Schwächung der Muskulatur führen kann. Das kann nicht nur Harninkontinenz, sondern auch eine verringerte Empfindlichkeit und Trockenheit der Vagina begünstigen. Regelmäßiges Beckenbodentraining hilft, diesen Veränderungen entgegenzuwirken und das sexuelle Wohlbefinden zu verbessern.
Beckenbodentraining als Schlüssel zu mehr Lust und Wohlbefinden
Neben Vaginismus können auch andere sexuelle Dysfunktionen wie Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) oder eine verminderte Orgasmusfähigkeit durch gezieltes Beckenbodentraining positiv beeinflusst werden. Spezielle Übungen können helfen, die Muskulatur zu entspannen oder zu stärken.
Der Beckenboden ist zudem eng mit der Psyche verbunden, da er auf Stress und emotionale Belastungen reagiert. Traumatische Erfahrungen oder Ängste können zu einer unbewussten Anspannung führen, die sich negativ auf die Sexualität auswirkt. Entspannungstechniken wie Yoga, Atemübungen oder Beckenbodenmassagen können hier unterstützend wirken und das allgemeine Wohlbefinden steigern.
Fazit
Ein gesunder und gut trainierter Beckenboden ist nicht nur für die körperliche Gesundheit essenziell, sondern auch für eine erfüllte Sexualität. Durch gezielte Übungen lassen sich sexuelle Empfindungen intensivieren, Orgasmen verbessern und Beschwerden wie Schmerzen oder vaginale Trockenheit lindern.
Regelmäßiges Beckenbodentraining kann also einen erheblichen Beitrag zu mehr Lust, Wohlbefinden und sexueller Zufriedenheit leisten.
Haltung und Entspannung des Beckenbodens
Auch die Körperhaltung wird vom Beckenboden beeinflusst. Eine aufrechte und zentrierte Haltung aktiviert den Beckenboden und stärkt die Verbindung zwischen Körper und Geist. Diese Haltung fördert nicht nur das körperliche Gleichgewicht, sondern auch das emotionale Wohlbefinden.
Auf der Toilette ist es wichtig, eine entspannte Haltung einzunehmen, um die Entleerung zu erleichtern und den Beckenboden zu entlasten. Beim Wasserlassen sollte die Haltung aufrecht sein, mit einer geraden Wirbelsäule. Beim Stuhlgang hingegen kann ein leichter Rundrücken die Entleerung unterstützen. Zudem ist es empfehlenswert, ein kleines Fußschemelchen zu verwenden, um eine optimale Sitzposition zu fördern.
Auch Achtsamkeit bei der Atmung unterstützt den Beckenboden, da das Zwerchfell – unser größter Atemmuskel – mit dem Beckenboden zusammenspielt: Beim Einatmen dehnt sich das Zwerchfell strahlenförmig nach unten aus, und der Beckenboden öffnet sich sanft; beim Ausatmen zieht er sich zusammen und gibt uns ein Gefühl von Stabilität und Erdung.
Wie nehme ich meinen Beckenboden wahr und stärke ihn?
Den Beckenboden bewusst wahrzunehmen, ist oft nicht einfach, da er tief im Inneren des Körpers liegt. Einige Übungen und Visualisierungen können jedoch dabei helfen: So kann man sich beispielsweise vorstellen, den Harnstrahl kurz zu unterbrechen – dies sollte jedoch nur einmalig ausprobiert werden, da häufiges Unterbrechen die Blase reizt und den Beckenboden in seinem reflektorischen Geschehen beeinflusst.
Eine weitere Übung ist das gezielte Anspannen des Anus oder das gedankliche „Festhalten“ eines Tampons in der Vagina. Eine zusätzliche Übung besteht darin, sich vorzustellen, mit den Scheidenlippen zu „blinzeln“. Eine gute Methode zur Selbstwahrnehmung ist es außerdem, aufrecht auf einem Stuhl zu sitzen und die Hände auf die Sitzbeinhöcker zu legen, um sie bewusst zu spüren. Anschließend kann man versuchen, die Sitzbeinhöcker gedanklich zueinander zu ziehen, als würden zwei Lampen aufeinander leuchten.
Diese Übungen lassen sich unauffällig in den Alltag integrieren und bieten ein effektives Training für den Beckenboden. Scheidenlippen blinzeln, kannst du immer und überall!
Bewege beim Gehen schwingend das Beckenn, dass unterstützt die Beckenbodenmuskulatur.
Verbinde dich mit deinem Beckenboden und entdecke deine innere Kraft und Stärke
Achtsame Übungen und kleine Schritte helfen dir, die Kraft und Schönheit des Beckenbodens zu entdecken und in den Alltag zu integrieren. Psychischer Stress, Angst und hohe Körperspannungen können zu Verspannungen im Beckenboden führen, was ausgeglichen werden kann. Ein ausgeglichener Beckenboden schenkt uns Stabilität und ermöglicht, unser volles Potenzial zu entfalten. Die Verbindung zu unserem Beckenboden unterstützt uns dabei, unsere innere Kraft zu entdecken und ein erfülltes, gesundes Leben zu führen.
Ich veranstalte regelmäßig Beckenbodenkurse!